Blickrichtung Horizont: Shared Mental Models

Blickrichtung Horizont: Shared Mental Models

– Blickrichtung: Horizont –

Unser Thema heute:

Was macht ein Team eigentlich erfolgreich?
Wie geteilte mentale Modelle entscheiden, ob Teamarbeit funktioniert oder nicht.

Teamarbeit hat in den letzten Jahren stark zugenommen. 85% der Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitenden nutzen Teamarbeit, um ihre Organisationsziele zu erreichen. Doch was macht manche Teams erfolgreich? Und warum sind andere Teams zum Scheitern verurteilt?

Neue Forschung zeigt, dass sogenannte „shared mental models“ eine große Rolle für die Zusammenarbeit im Team spielen. Darunter versteht man geteilte Vorstellungen, auch mentale Modelle genannt, über die Art und Weise wie Aufgaben zu erledigen sind und wie das Team zusammenarbeitet. Sind die mentalen Modelle der Teammitglieder ähnlich, kann das Team seine Handlungen besser koordinieren, hat ein ähnliches Problemverständnis und arbeitet effektiver zusammen. Schwierig wird es, wenn jedes Teammitglied eine unterschiedliche mentale Vorstellung hat, denn dann entstehen schneller Missverständnisse und das Team zieht nicht an einem Strang.  

Sportteams sind ein gutes Beispiel dafür. In einer Fußballmannschaft müssen die einzelnen Teammitglieder in Sekunden entscheiden, wo sie den Ball hin spielen, ohne sich lange mit den Mitspielenden absprechen zu können. Damit das erfolgreich ist, ist es essenziell, dass alle Spieler_innen eine gemeinsame Vorstellung davon haben, wie die Mannschaft zusammenspielt und welche Taktik sie verfolgt. Ähnlich sieht es im Operationssaal aus, in dem die zusammenarbeitenden Spezialisten genau wissen müssen, was wann, wie und wo gemacht werden soll, damit alles reibungslos abläuft. Das zeigt sich besonders, wenn es zu Komplikationen kommt und schnell reagiert werden muss.

Auch wenn Ihr Arbeitsteam nicht auf dem Fußballplatz steht oder lebenswichtige Entscheidungen trifft, müssen Entscheidungen in der Arbeitswelt doch oft schnell und unter Druck getroffen werden. Dafür sind shared mental models unerlässlich. Vor allem, wenn zusätzlich nicht alle Teammitglieder am gleichen Ort arbeiten, denn sie reduzieren die Notwendigkeit, sich mit anderen Teammitgliedern abzusprechen und beschleunigen dadurch die Entscheidungsfindung. Das Team wird also effizienter.

Neben einem geteilten Verständnis für die Aufgabe oder das zu lösende Problem und für die beste Herangehensweise, ist auch ein gemeinsames Modell bezüglich der Teamrollen wichtig. Hier geht es um Stärken und Erfahrungen die bestimmte Teammitglieder für die Aufgabenbearbeitung mitbringen und um geteiltes Verständnis davon, wer was gut kann. Gemeinsames Wissen über die Teamkonstellation macht die Zusammenarbeit leichter und effektiver.

Wie kann ein Team gemeinsame mentale Modelle entwickeln?
Ziel einer jeden Führungskraft sollte es sein, die Ausbildung von shared mental models im Team zu fördern, um das Team leistungsfähiger zu machen. Das geht auf unterschiedliche Art und Weise.

Beispielsweise kann direkt am Anfang eines Projektes, die Erstellung des Projektplanes im Team, anstatt durch den Projektleitenden allein stattfinden. So wird von Anfang an ein gemeinsame Projektverständnis gefördert und die Herangehensweise kann bereits vor Projektstart besprochen werden. Natürlich tragen generell eine offene Kommunikation und gute Instruktionen bezüglich der Aufgaben zu einem gemeinsamen mentalen Modell bei. Studien zeigen dahingehend, dass es nicht ausreicht sich im Team über die verschiedenen Problemverständnisse und Herangehensweisen auszutauschen und Verständnis für andere Sichtweisen zu entwickeln. Vielmehr ist es nötig, sich aktiv damit auseinanderzusetzen und zusammen ein gemeinsames mentales Model zu entwickeln, dem alle zustimmen.

Eine weitere Möglichkeit zur Förderung von shared mental models ist die Reflektion eines abgeschlossenen Projektes im Team. Durch die gemeinsame Nachbesprechung können alle Teammitglieder ihre Sicht über erfolgreiche und weniger erfolgreiche Aspekte darlegen, für sie überraschende Ereignisse schildern und es kann gemeinsam überlegt werden, was in zukünftigen Projekten anders laufen soll.

Ein Klassiker, um shared mental models zu etablieren, sind Teamevents und Teamtrainings. Der Teamgeist kann gestärkt werden und die Teammitglieder lernen sich in verschiedenen Rollen außerhalb der Arbeit kennen. Das hilft dabei sich gegenseitig besser einschätzen zu können und einen gemeinsamen Rhythmus zu finden.

Fazit
Shared mental models sind elementar für die Zusammenarbeit im Team und sollten gefördert werden. Sie beeinflussen die Koordination und Effektivität eines Teams und sind besonders unter Zeitdruck und bei remoter Teamarbeit wichtig. Fördern können Führungskräfte shared mental models durch gemeinsame Projektplanung, offene Kommunikation und Instruktion der Aufgaben, Projektreflektionen sowie Teambuilding Maßnahmen.

 

Key Facts

  • Shared mental models sind geteilte mentale Vorstellungen im Team
  • Können sich auf die Aufgabe oder die Rollenverteilung beziehen
  • Beeinflussen die Teamleistung positiv
  • Werden gefördert durch gemeinsame Projektplanung, offene Kommunikation und Instruktion der Aufgaben, Projektreflektionen sowie Teambuilding Maßnahme

     

Quellen:
Gurtner, A., Tschan, F., Semmer, N. K., Nägele, C., (2007). Getting groups to develop good strategies: Effects of reflexivity interventions on team process, team performance, and shared mental models. Organizational Behavior and Human Decision Processes, Volume 102, Issue 2, Pages 127-142.

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Mathieu, J., Heffner, T., Goodwin, G., Salas, E., & Cannon-Bowers, J. (2000). The influence of shared mental models on team process and performance. The Journal of applied psychology, 85 2, 273-83.

Van den Bossche, P., Gijselaers, W., Segers, M. et al. (2011). Team learning: building shared mental models. Instr Sci 39, 283–301.